Der Weinflüsterer
Eine Spurensuche, die im Keller endete
Meine Geschichte beginnt nicht in einem Weinkeller, sondern in der staubigen Weite des Banats, in Neupetsch, Rumänien.
Geboren 1971, in einer Landschaft, die von Geschichte und Vertreibung gezeichnet war.
1980, als Spätaussiedler, tauschte meine Familie diese Weite gegen die engen, geregelten Straßen Deutschlands ein.
Die erste Lektion über Terroir lernte ich damals, ohne es zu wissen:
Wie der Boden, auf dem man wurzelt – oder den man verlässt – einen für immer prägt.
Die deutsche Realität forderte Pragmatismus. Realschule, dann die Lehre zum Automobilkaufmann 1991.
Für die nächsten 30 Jahre wurde mein Terroir der Benzingeruch der Werkstatt, das surrende Licht der Teilelager, der glänzende Lack der Verkaufshallen. Vom Ersatzteillager bis zur Geschäftsleitung durchlief ich alle Ebenen dieses metallenen Ökosystems.
Selbst den Handelsfachwirt 2002 erwarb ich abends, im Scheinwerferlicht der Pflicht.
Doch unter der Motorhaube des Alltags summte leise ein anderer Motor:
die Sehnsucht nach Echtheit, Geschichte und Geschmack – nach etwas, das nicht nur funktioniert, sondern erzählt.
2020 war das Jahr der Wende.
Das Hobby, das mich heimlich nährte, sollte zum Beruf werden.
Die Getränkebranche jedoch sah in meinem Lebenslauf nur den „Überqualifizierten“ – sie hörte das Summen meines Motors nicht.
Also schuf ich mir selbst mein Terroir und eröffnete einen Getränkemarkt in Esslingen. Meine erste eigene Cuvée aus Freiheit und Risiko.
Doch das Schicksal, oder besser: ein kluger EDEKA-Unternehmer, mischte 2021 neu ab.
Das Angebot war zu verlockend, die Chance zu groß.
Ich wechselte vom vollständigen Selbständigen ins Angestelltenverhältnis – aber nur, um meinen Traum im Nebenerwerb weiter reifen zu lassen.
Heute verantworte ich in einem EDEKA-Markt das Reich der alkoholfreien Getränke, Biere, Weine und Spirituosen.
Hier, zwischen Regalreihen und Kassen, kuratiere ich täglich die Geschmackswelten anderer.
Ein diplomatischer Posten im Land des Genusses.
Aber der wahre Wendepunkt kam in der Stille des Lernens. 2022 begann ich im Fernstudium die Weiterbildung zum Wein- und Genussexperten.
2023 hielt ich das Zertifikat (IHK) in Händen – kein bloßes Papier, sondern der Schlüssel zu einer verschlossenen Welt.
Und da ich wusste, dass man eine Sprache erst beherrscht, wenn man ihre Poesie versteht,
begann ich im Juni 2024 die Ausbildung zum Sommelier (IHK).
Warum das alles?
Weil ich gelernt habe, dass ein Auto eine Maschine ist, die man repariert und verkauft.
Ein Wein aber ist eine lebendige Geschichte.
Eine Geschichte von Boden und Sonne,
von Winzerhänden und uralten Kellern,
von der bittersüßen Heimat des Banats und dem pragmatischen Rhythmus Deutschlands.
Ich bin kein Sommelier, der mit erhobenem Zeigefinger dekantiert.
Ich bin ein Weinflüsterer.
Ein Übersetzer.
Jemand, der die Funken im Granit des Mosel-Schiefers hört,
die Melancholie im friulanischen Ponca schmeckt
und die unglaubliche Kraft versteht, die nötig ist, um Wurzeln zu verpflanzen und an neuem Ort doch authentisch zu bleiben.
Meine Expertise ist nicht aus Büchern gewachsen.
Sie ist aus einer Lebensreise gewachsen,
die von der pannonischen Ebene des Banats
über die Werkstatt
bis ins Regal und schließlich direkt ins Glas führte.
Ich flüstere vom Wein, weil ich das Gefühl kenne, selbst lange ungehört zu sein.
Ich höre den Geschichten im Wein zu.
Und ich lade Sie ein, es auch zu tun.
Ihr Weinflüsterer Heinrich Buchmann
Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.
(Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832)
Es ist nicht arrogant, sondern befreiend.
Eine klare Prioritätensetzung.
Es ist für mich die Erinnerung daran, dass jeder Schluck eine Entscheidung ist -
für die kostbare, unwiederbringliche Zeit, die wir haben.
Euer Heinrich Buchmann
Erfahrung
3 Jahre Geschäftsführer in einem Mitsubishi Autohaus
3 Jahre Betriebsleiter in einem SEAT Autohaus
2 Jahre selbstständig mit eigenem Getränkemarkt
Kompetenz
Sommelier
tägliche Arbeit im Bereich Getränke
