Die vier Kräfte im Glas erkennen
Diese vier Kräfte bilden das Innengerüst des Weins.
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Vorbereitung
Du brauchst:
- ein neutrales Glas
- Raumtemperatur
- stilles Wasser
- idealerweise zwei Weine zum Vergleich
Wichtig:
Nicht nach Aromen suchen. Sondern nach Struktur.
Schritt 1 – Säure erkennen
Wo entsteht Spannung?
Nimm einen Schluck.
Behalte ihn kurz im Mund.
Schlucke.
Achte auf:
- Speichelfluss
- Frischegefühl
- Spannung an den Seiten der Zunge
Fragen:
- Wird dein Mund wässrig?
- Wirkt der Wein lebendig oder weich?
- Hast du Lust auf den nächsten Schluck?
Hohe Säure:
- belebend
- straff
- animierend
Niedrige Säure:
- rund
- weich
- manchmal breit
Säure ist Bewegung.
Schritt 2 – Tannin erkennen
Wo entsteht Griff?
Nimm erneut einen Schluck. Bewege ihn im Mund.
Schlucke langsam.
Achte auf:
- Trockenheit am Gaumen
- pelziges Gefühl
- Spannung am Zahnfleisch
Reibe deine Zunge an den Zähnen entlang.
Fragen:
- Wird der Mund trocken?
- Fühlt es sich griffig oder glatt an?
Reifes Tannin:
- seidig
- fein
- strukturiert
Unreifes Tannin:
- hart
- bitter
- kantig
Tannin ist Textur.
Schritt 3 – Alkohol erkennen
Wo entsteht Wärme?
Schlucke bewusst.
Achte auf:
- Wärme im Hals
- Wärme im Brustbereich
- Länge der Erwärmung
Fragen:
- Wärmt der Wein sanft?
- Oder brennt er?
- Fühlt er sich leicht oder voluminös an?
Alkohol ist Tragkraft. Nicht Hitze.
Schritt 4 – Extrakt erkennen
Was bleibt?
Jetzt kommt der entscheidende Moment.
Nach dem Schlucken:
- Wie lange bleibt der Wein?
- Ist noch Substanz da?
- Fühlt sich der Mund voll oder leer an?
Achte auf:
- Dichte
- Nachhall
- Präsenz
Extrakt zeigt sich als:
- Länge
- Tiefe
- Substanz
Wenn ein Wein nachklingt – nicht aromatisch, sondern strukturell – ist Extrakt im Spiel.
Zusammenspiel bewusst wahrnehmen
Jetzt verbinde alles.
Fragen:
- Trägt die Säure den Alkohol?
- Stützt der Extrakt das Tannin?
- Wirkt nichts dominant?
Wenn eine Kraft heraussticht, fehlt Balance.
Wenn keine stört, entsteht Harmonie.
Der Weinflüsterer-Moment
Man erkennt große Weine selten an ihren Aromen.
Man erkennt sie daran,
wie sie stehen.
Ob sie tragen.
Ob sie halten.
Ob sie bleiben.
Balance fühlt man,
bevor man sie erklären kann.
Und genau dort beginnt echtes Verstehen.