FINE-TASTERY.DE     
Heinrich Buchmann  Wein-und Genussexperte (IHK)  

🪨 Böden im Weinbau



Wie der Untergrund Struktur, Spannung und Charakter formt


Wein wächst nicht im Glas.
Er entsteht im Weinberg – und unter ihm.
Der Boden bestimmt, wie tief eine Rebe wurzelt, wie sie Wasser speichert und wie sie mit Hitze oder Trockenheit umgeht. Er wirkt nicht laut, er trägt keine Fruchtaromen. Und doch beeinflusst er maßgeblich, wie ein Wein später wirkt: straff oder weich, kühl oder warm, präzise oder kraftvoll.


Wer beginnt, Böden zu verstehen, erkennt im Wein mehr als nur Rebsorte oder Region.


🔶 Warum Böden im Weinbau entscheidend sind


Der Boden beeinflusst vor allem fünf zentrale Faktoren:

  • Wasserversorgung der Rebe
  • Wärmespeicherung und Temperaturausgleich
  • Nährstoffverfügbarkeit
  • Durchwurzelbarkeit


Ertragsniveau und Reifedynamik

  • Karge Böden zwingen Reben, tief zu wurzeln.
  • Fruchtbare Böden begünstigen höhere Erträge.

Zwischen diesen Polen entsteht die Balance, aus der Qualität wachsen kann.
Ein Rebstock, der arbeiten muss, entwickelt oft komplexere Trauben.
Nicht durch Stress allein – sondern durch kontrollierte Anpassung.




🔶 Die wichtigsten Bodentypen im Weinbau


Albariza

Albariza

Beschreibung Klassischer Kreideboden im Süden Spaniens. Die weissen Jerez-Böden sind sehr bekannt. Von hier stammen die besten Sherry-Weine.

Basalt

Basalt

Beschreibung Die häufigste vulkanische Gesteinsart enthält viel Kalk und Soda und ist reich an Mineralstoffen. Basaltboden ergibt Weine mit guter Säure.

Buntsandstein

Buntsandstein

Beschreibung buntfarbiger, meistens roter Sandstein mit tonigen Komponenten. Entstand aus Abtragungsschutt von Gebirgen.

Feuerstein

Feuerstein

Beschreibung Kieselstein, der die Wärme gut reflektiert und speichert. Die Pouilly-Fumé-Weine des Loire-Tals werden in der Regel auf Feuerstein geprägten Böden gezogen und erhalten so ihr typisch „verbranntes“ Aromaprofil.

Galestro

Galestro

Beschreibung blaugrauer Kalkstein-Schiefer, der in der Region Toskana (insbesondere im Chianti Classico) in Italien zu finden ist.

Gips

Gips

Beschreibung calciumsulfathaltige Erde, die durch Verdunstung von Meerwasser gebildet wurde. Gips gibt einen hochabsorbierendern Boden mit durchschnittlicher Drainagefähigkeit ab. Er ist oft mit Ton und Mergel versetzt.

Glimmer

Glimmer

Beschreibung silikathaltige Erde aus feinen, zersetzten Gesteinsformationen.

Gneis

Gneis

Beschreibung mittel- bis grobkörnige Metamorphite, die unter hoher Druck- und Temperatur-Einwirkung durch Umwandlung aus anderen Gesteinen entstanden sind. Der Name leitet sich von dem altdeutschen „Geneus“ ab (taubes, festes Gestein zwischen den Erzgängen).

Granit

Granit

Beschreibung Ein mineralreiches, hartes Gestein. Die Anbaugebiete mit granithaltigen Böden ergeben weniger säurebetonte Weine. Granitböden findet man u.a. im nördlichen Beaujolais.

Grauwacke

Grauwacke

Beschreibung Sedimentboden, der von urzeitlichen Flüssen gebildet wurde und Quarz, Tonstein sowie Feldspat enthält. Diesen Boden findet man in Südafrika und Neuseeland sowie an der Ahr, an Mosel, Mittelrhein und im Rheingau. Trivia: der Loreley-Felsen bei St. Goarshausen besteht aus Grauwacke.

Kalkstein

Kalkstein

Beschreibung Boden auf Sedimentbasis, bestehend aus Carbonaten. Der häufigste farbige Kalkstein, der im Weinanbaugebiet gefunden wird, ist grau in der Farbe (mit Ausnahme von weißer Kreide). Die Wasserrückhaltefähigkeit variiert nach Zusammensetzung, aber Kalkstein ist durchweg alkalisch und wird in der Regel mit Trauben mit hohem Säuregehalt bepflanzt. Kalkstein enthält Kalzium und Magnesium, die beide basisch sind. Dadurch nimmt die Möglichkeit hoher Säurekonzentration in den Trauben zu.

Kies

Kies

Beschreibung Kiesböden sind mager, gut drainiert und speichern ausgezeichnet die Wärme. Die Wurzeln der Reben werden gezwungen, tief in die Erde einzudringen, um an Wasser und Nährstoffe zu gelangen.

Kieselsteine

Kieselsteine

Beschreibung Böden aus saurem Gestein, die kristallin sind. Die Kiesel können dabei unterschiedlich groß ausfallen. Der Boden bietet eine gute Wärmespeicherung, benötigt aber die zusätzliche Zusammensetzung aus Schluff, Ton und anderen sedimentären Böden, um jegliche Art von Wasserrückhalt zu erhalten. Böden mit kleineren Kieseln sind häufig im Bordeaux zu finden. Besonders große Kiesel finden sich an der südlichen Rhône

Kreide

Kreide

Beschreibung Eine sehr weiche, basische Kalkvariation. Sie ergibt stark säurebetonte Weine.

Lehm

Lehm

Beschreibung warmer, weicher, fruchtbarer Boden, der zu etwa gleichen Teilen aus Schluff, Sand und Ton besteht. Durch die extreme Fruchtbarkeit müssen zur Erreichung hoher Weinqualitäten die Erträge klein gehalten werden. Solche Böden ergeben vollmundige, kräftige Weine.

Löss

Löss

Beschreibung Leichte Bodenart, die oft vom Wind verfrachtet wird. Löss enthält hauptsächlich Quarz und Anteile von Kalk. Auf Lössböden wachsen in der Regel vollmundige, lagerfähige Weine.

Mergel

Mergel

Beschreibung Ein besonders kalkhaltiger Boden mit hohem ph-Wert (basisch). Diese Bodenart ergibt Weine mit guter Säure.

Porphyr

Porphyr

Beschreibung Sammelbegriff für vulkanische Böden mit großen Kristallen in einer feinkörnigen, glasigen Grundmasse. Sie sind zum Beispiel in Südtirol und an der Nahe zu finden und lassen säurearme Weine entstehen.

Quarzit

Quarzit

Beschreibung Material, das in den meisten Weinbergböden als Bestandteil vorkommt – insbesondere auf Sand- und Schluffböden. Der hohe pH-Wert der Quarz geprägten Böden kann den Säuregehalt der resultierenden Weine reduzieren, aber seine wärmespeichernde Eigenschaft beschleunigt die Reifung der Trauben und kann so zu einem höheren Alkoholgehalt führen.

Sand

Sand

Beschreibung Leichte Bodenart mit gutem Drainagevermögen. Der Wein reift früh und ist sowohl duftig als auch säurearm.

Sandstein

Sandstein

Beschreibung warmer, luftiger Boden, der aus winzigen Partikeln von verwittertem Gestein besteht. Als einer der wenigen Böden, in denen die Reblaus nicht gedeiht, entwässert der Boden gut, hat aber keine gute Wasserspeicherung. Sandstein hingegen ist ein sedimentärer Boden, der aus Sandpartikeln besteht, die unter Druck von verschiedenen Eisenmineralen gebunden wurden.

Schiefer

Schiefer

Beschreibung Sehr hartes Gestein, entstand unter hohem Druck aus Ton und Schlamm. Auf Schiefer gedeihen leichte, elegante und rassige Weine. Schiefer ist eine wichtige Bodenarten in vielen deutschen Anbaugebieten, da er die Wärme effektiv speichert und auf diese Weise den Anbau von Riesling in nördlichen Bereichen ermöglicht.

Terra Rossa

Terra Rossa

Beschreibung «Rote Erde», vor allem in Italien, ein lehmiger Boden, der manchmal auch Kiesel enthält.

Ton

Ton

Beschreibung Boden aus Sedimentgestein, das aus übereinanderliegenden Plättchen besteht. In den Zwischenräumen dieser Plättchen kann Wasser gut gespeichert werden, allerdings auch vergleichsweise schlecht abfließen. Der Boden ist oft sehr kühl und säurehaltig. Das rechte Ufer von Bordeaux wird von Ton geprägten Böden dominiert.

Tuff

Tuff

Beschreibung Kalkhaltige Tonerde vulkanischen Ursprungs, in Teilen Italiens und auch an der Loire anzutreffen.

Vulkanischer Boden

Vulkanischer Boden

Beschreibung Böden, die aus zwei verschiedenen, vulkanischen Aktivitäten gebildet worden sein können: Entweder aus Gesteinsmaterial, das bei einem Vulkanausbruch in die Luft geschleudert wurde und sich dann auf der Erde ablagerte oder aus abgekühltem Gestein direkt aus dem Lavastrom. Neunzig Prozent des lavabasierten Bodens bestehen aus Basalt, die restlichen zehn Prozent bestehen aus Andesit, Pechstein, Rhyolith und Trachyt.

🔶 Boden, Rebe und Wurzeltiefe


Entscheidend ist nicht nur die Bodenart, sondern wie tief die Rebe wurzeln kann. Tiefe Wurzeln sorgen für:

  • stabilere Wasserversorgung
  • gleichmäßigere Reife
  • größere Widerstandskraft
  • geringere Ertragsschwankungen

Je komplexer das Wurzelsystem, desto konstanter kann die Rebe auf klimatische Schwankungen reagieren.
Boden beeinflusst daher nicht direkt das Aroma, sondern die Entwicklung der Traube – und damit die Grundlage für Struktur und Balance.


🔶 Boden im Zusammenspiel mit Klima und Rebsorte

Boden wirkt nie isoliert.
Ein kalkreicher Boden entfaltet sich anders in kühlem Klima als in warmen Regionen.
Eine säurebetonte Rebsorte reagiert anders auf Schiefer als eine frühreifende Sorte.
Erst im Zusammenspiel mit Klima, Lage und Rebsorte entsteht das, was häufig als Terroir beschrieben wird.
→ Klima im Weinbau verstehen
→ Terroir? was ist das
→ Rebsorten von A-Z entdecken
→ Weinbau Regionen entdecken
→ Wie man guten Wein erkennt



🔶 Mythos „Mineralität“


Oft wird behauptet, man könne Kalk oder Schiefer direkt schmecken. Tatsächlich gelangen keine festen Gesteinspartikel ins Glas. Der Eindruck von „Mineralität“ entsteht vielmehr durch:

  • Säurestruktur
  • Textur
  • Salz- oder Spannungsgefühl
  • reduktive Ausbauweise

Boden prägt also nicht durch Geschmack von Stein, sondern durch Einfluss auf Reife, Struktur und Balance.


🔶 Einordnung


Kein Boden ist per se besser.
Kalk ist nicht überlegen, Schiefer nicht edler, Vulkanik nicht spektakulärer.
Jeder Boden schafft andere Voraussetzungen.
Entscheidend bleibt, wie gut Rebsorte, Klima und Handwerk darauf abgestimmt sind.
Qualität entsteht aus Harmonie – nicht aus Gesteinsart.


🔶 Der Weinflüsterer


Mit der Zeit erkennt man Böden nicht über Geschmack von Stein, sondern über Struktur. Über Spannung im Mittelgaumen. Über die Art, wie ein Wein trägt und nachhallt.
Der Weinflüsterer spürt, wenn ein Wein aus kargem Untergrund kommt. Wenn er Tiefe aus Wurzeln gewinnt oder Wärme aus gespeicherter Sonne trägt.
Denn unter jedem Wein liegt ein Boden –
und manchmal spricht er leiser, als man erwartet.

 
 
 
 
E-Mail
Anruf
Karte
Infos
Instagram