FINE-TASTERY.DE     
Heinrich Buchmann  Wein-und Genussexperte (IHK)  

Steiermark - Steirerland

Präzision zwischen Hügeln, Kalk und kühlem Licht


Die Steiermark ist keine Region der Kraft. Sie ist eine Region der Spannung.
Im Süden Österreichs, entlang der slowenischen Grenze, entstehen Weine, die weniger auf Volumen setzen als auf Linie.


Weniger auf Fruchtfülle als auf Struktur.
Hier dominiert kein Alkohol.
Hier dominiert Säure.
Hier dominiert Herkunft.


Sauvignon Blanc.
Morillon.
Welschriesling


Und eine Landschaft, die wirkt, als sei sie für Wein gebaut worden.

Steiermark in 30 Sekunden erklärt
Die Steiermark ist Österreichs präziseste Weißweinregion.
Steile Hügel, kühle Nächte und kalk- sowie opokreiche Böden sorgen für Weine mit Spannung, Frische und klarer Struktur.
Im Mittelpunkt steht Sauvignon Blanc – mineralisch, kräuterwürzig, mit vibrierender Säure.
Dazu kommen Morillon (Chardonnay), Gelber Muskateller und Welschriesling.
Das Klima ist illyrisch geprägt: warme Tage, kühle Abende, lange Reifezeit.
Das Ergebnis sind Weine mit moderatem Alkohol, viel Aromatik und messerscharfer Präzision.
Kurz gesagt:
Die Steiermark steht für Klarheit statt Opulenz –
für Herkunft statt Lautstärke –
für Energie im Glas. 🍷



Geografie & Landschaft – ein Meer aus Hügeln

Die Steiermark gliedert sich in drei Hauptzonen:

  • Südsteiermark DAC
  • Vulkanland Steiermark DAC
  • Weststeiermark DAC

Allen gemeinsam ist:
Illyrisches Klima (mediterrane Einflüsse aus dem Adriaraum)

  • starke Tag-Nacht-Amplituden
  • lange Vegetationsperiode
  • hohe physiologische Reife bei erhaltener Säure

Die Hügel sind steil.
Die Lagen kleinteilig.
Die Böden wechseln innerhalb weniger Meter.

Südsteiermark – das Zentrum der Spannung
Die Südsteiermark ist das Aushängeschild der Region.
Typische Böden:

  • Opok (kalkhaltiger Mergel)
  • Sandstein
  • Schotter
  • teils Kalkadern

Opok speichert Wasser, gibt es langsam ab und sorgt für eine lineare, salzige Mineralität.
Hier entsteht Sauvignon Blanc mit Struktur – nicht mit Lautstärke.


Die drei DAC-Gebiete
Seit 2018 ist die Steiermark klar strukturiert in drei DAC-Zonen:


Südsteiermark DAC
Das bekannteste Gebiet.
Böden:

  • Kalkmergel
  • Opok (kalkhaltiger Schluff)
  • Sandige Einschüsse

Stilistik:

  • präziser Sauvignon Blanc
  • vibrierende Säure
  • salzige Mineralität
  • klare Frucht
  • enorme Lagerfähigkeit bei Spitzenlagen

Hier entstehen Lagenweine, die international mit großen Sauvignon-Herkünften konkurrieren.

Weingut Regele – Südsteiermark mit Haltung
Zwischen diesen Hügeln arbeitet das Weingut Regele.
Kein Showbetrieb.
Kein Aromazirkus.
Sondern Herkunft.
Regele steht für eine Stilistik, die die Südsteiermark ernst nimmt:

  • präzise Säure
  • klare Frucht
  • mineralische Linienführung
  • zurückhaltender Holzeinsatz

Sauvignon Blanc
Typisch sind: Cassisblatt, Stachelbeere, Holunder, feine Kräuterwürze
kalkige Salzigkeit
Mit Reife entstehen:
Feuerstein, getrocknete Kräuter, rauchige Nuancen
Das ist kein lauter Sauvignon.
Das ist Südsteiermark.
Morillon (Chardonnay)
Morillon zeigt hier: Spannung, feine Textur, kühle Frucht, strukturiertes Mundgefühl
Kein Schweregrad. Keine Überreife. Sondern Präzision.
Burgundersorten
Weißburgunder und Grauburgunder folgen demselben Prinzip:
Struktur vor Opulenz. Säure als Gerüst. Balance statt Fülle.
Regele ist kein Ausnahmephänomen – sondern ein Beispiel dafür, wie die Region heute denkt.




Vulkanland Steiermark DAC
Kraft aus der Tiefe – Würze aus dem Gestein
Das heutige Vulkanland Steiermark DAC – früher Südoststeiermark – liegt im südöstlichen Teil der Steiermark, nahe der slowenischen Grenze.
Im Gegensatz zur dramatisch-hügeligen Südsteiermark wirkt diese Region offener, weiter, wärmer.
Doch unter der Oberfläche beginnt das Eigentliche.
Geologie – Vulkanisches Fundament
Die Region ist geprägt von einem uralten vulkanischen Erbe.
Typische Böden:

  • Basalt
  • Tuff
  • eisenhaltige Verwitterungsgesteine
  • Sand- und Lehmböden mit vulkanischem Einschluss
  • Opok-Anteile in höheren Lagen

Diese Böden sind:

  • wärmespeichernd
  • mineralstoffreich
  • tiefgründig
  • teilweise eisenbetont

Basalt speichert Wärme und gibt sie langsam wieder ab.
Das verlängert die Reifephase. Tuff sorgt für Drainage.
Eisen bringt eine oft spürbare Würze in die Weine.


Hier entstehen keine lauten Fruchtweine.
Hier entstehen strukturierte Weine mit innerer Dichte.
Klima – Illyrischer Einfluss mit Wärme
Das Klima ist:
warm, feucht, von der Adria beeinflusst, mit heißen Sommern aber kühlen Nächten

Diese Kombination ermöglicht:
physiologisch reife Trauben, stabile Säurestruktur, aromatische Intensität

Im Vergleich zur Südsteiermark wirken die Weine hier:
etwas runder, weniger spitz, würziger, erdiger, oft strukturbetonter

Rebsorten – Mehr als nur Sauvignon
Ja, auch hier ist Sauvignon Blanc wichtig.
Aber er steht nicht allein im Zentrum.
Im Vulkanland spielen mehrere Sorten eine tragende Rolle.
Sauvignon Blanc
Im Vergleich zur Südsteiermark oft: reifer in der Frucht, weniger grasig, würziger, strukturbetonter, 
mit leicht erdiger Mineralität

Nicht kühle Präzision – sondern würzige Tiefe.


Traminer
Das Vulkanland ist historisch eine Traminer-Hochburg.
Hier entstehen: würzige, strukturierte, teilweise kraftvolle Traminer

Aromatik: Rosen, Litschi, Gewürznelke, Orangenzeste

Doch entscheidend ist die Struktur.
Große Traminer hier sind keine Parfümweine – sie besitzen Substanz.


Weißburgunder (Pinot Blanc)
Im Vulkanland oft: cremiger, reifer, mit nussiger Textur, leicht salziger Mineralität

Er zeigt hier mehr Körper als in kühleren Zonen.

Grauburgunder (Pinot Gris)
Hier kann Grauburgunder: kraftvoll, extraktreich, leicht rauchig, strukturbetont wirken – ohne plump zu werden.

Die vulkanischen Böden geben ihm Rückgrat.
DAC-System
Das Vulkanland Steiermark DAC-System unterscheidet:

  • Gebietswein
  • Ortswein
  • Riedenwein

Die Herkunft rückt stärker in den Fokus.
Nicht nur Rebsorte zählt – sondern Boden, Lage, Mikroklima.

Weststeiermark DAC

Klein. Eigenständig. Unverwechselbar.
Die Weststeiermark DAC ist das kleinste der drei steirischen Weinbaugebiete – geografisch kompakt, stilistisch jedoch extrem prägnant. Sie liegt westlich von Graz, geprägt von steilen Hügeln, Mischwäldern und kargen Böden aus Schiefer, Gneis und sandigem Opok. Die Weinberge sind oft kleinteilig strukturiert, viele Parzellen sind Handarbeit.
Hier geht es nicht um internationale Sorten. Hier geht es um Identität.

Blauer Wildbacher – mehr als nur Rosé
Die Weststeiermark ist die Heimat einer Rebsorte, die man sonst kaum findet:
Blauer Wildbacher
Eine spät reifende, säurestarke, dickschalige Sorte mit natürlicher Spannung.
Sie verlangt warme Tage – aber vor allem kühle Nächte.
Und genau diese Kombination bietet das illyrisch beeinflusste Klima der Region.
Schilcher – ein Herkunftswein, kein Trendrosé
Schilcher ist kein „Sommerwein“.
Er ist ein klar definierter DAC-Herkunftswein.
Stilistik
Farbe: hellrosa bis zwiebelschalenfarben, niemals dunkel
Aromatik: rote Johannisbeere, Preiselbeere, Hagebutte
oft ein leicht kräuteriger Zug
Struktur:
markante, lebendige Säure, straffe Linie, kaum Restzucker
häufig moderater Alkohol


Die Säure ist hier kein Nebendarsteller. Sie ist das tragende Element.
Ein guter Schilcher wirkt:
elektrisierend, kühl, vibrierend, fast salzig im Nachhall

Er kann jung getrunken werden – aber hochwertige Exemplare gewinnen mit 3–5 Jahren an Tiefe.


DAC-System – Struktur statt Beliebigkeit
Seit Einführung der Weststeiermark DAC ist klar definiert:

  • Schilcher muss aus Blauem Wildbacher bestehen
  • Herkunft und Stil sind geschützt
  • klare Qualitätsstufen (Gebietswein, Ortswein, Riedenwein)

Das Ziel:
Nicht Rosé vermarkten – sondern Herkunft definieren.
Boden & Klima – warum die Säure hier so präzise bleibt
Die Region profitiert vom illyrischen Klimaeinfluss:
Warme Luft aus dem Adriaraum, Hohe Niederschläge
Deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht
Die Böden sind karg und gut drainiert.
Das zwingt die Reben zur Tiefe.
Die Kombination aus:
kühler Aromatik, natürlicher Säure, mineralischer Spannung
macht Schilcher unverwechselbar.


Rebsorten – das weiße Fundament
Sauvignon Blanc
Die wichtigste Rebsorte der Südsteiermark.
Nicht tropisch. Nicht laut.
Sondern: Stachelbeere, Holunderblüte, Cassisblatt
Kräuter, Kalkigkeit
Große Lagen-Sauvignons reifen 10–20 Jahre.
Mit Reife entstehen:
Rauch, Feuerstein, getrocknete Kräuter, salzige Tiefe
Hier zeigt Sauvignon Struktur – nicht Exotik.


Morillon (Chardonnay)
In der Steiermark heißt Chardonnay traditionell Morillon.
Je nach Ausbau: straff und mineralisch oder burgundisch geprägt mit Holz
Kalkmergel + kühles Klima = enorme Präzision.


Welschriesling
Oft unterschätzt.
Hier zeigt er: klare Säure, Apfel, Zitrus, enorme Trinkspannung

In edelsüßer Form entstehen große Trockenbeerenauslesen.

Traminer
Im Vulkanland besonders wichtig.
Würzig, aromatisch – aber oft trockener und strukturierter als erwartet.


Lagenbewusstsein – der burgundische Gedanke
Die Steiermark denkt in Lagen.
Seit 2018 gibt es ein dreistufiges System:

  • Gebietswein
  • Ortswein
  • Riedenwein (Einzellage)

Beispiele berühmter Rieden:

  • Zieregg
  • Grassnitzberg
  • Sernauberg
  • Hochgrassnitzberg

Hier entscheidet nicht der Ausbau. Hier entscheidet der Boden.
Das ist burgundisches Denken – nur mit österreichischer Klarheit.


Stilistik der Steiermark
Steirische Weine sind selten bequem.
Sie leben von:

  • Säurespannung
  • Mineralität
  • kühler Frucht
  • Länge

Große Sauvignon Blanc aus Top-Lagen reifen 10–20 Jahre.
Mit Reife entstehen:

  • Rauch
  • Graphit
  • getrocknete Kräuter
  • salzige Tiefe

Das ist kein Trendstil. Das ist Herkunft.

Vergleich im europäischen Kontext


Große Sauvignon Blanc aus der Südsteiermark stehen heute
in direktem Dialog mit: Loire, Sancerre, Pouilly-Fumé
aber auch mit
großen weißen Burgundern (in Struktur, nicht im Aroma)
Vergleich im europäischen Kontext
Loire
mehr Kreide, mehr Kühle, weniger Opulenz.
Burgund
ähnliches Lagenverständnis, aber andere Rebsorten-DNA.
Südtirol
vergleichbare alpine Frische, jedoch oft runder.


Die Steiermark bleibt:

  • klarer
  • straffer
  • säurebetonter


Kulinarische Verbindung
Die Region lebt von:
Backhendl
Kürbiskernöl
Saibling
Steirischer Käferbohnensalat
Die Säure der Weine trägt die Küche. Nicht umgekehrt.


Bedeutung für Weinliebhaber
Die Steiermark ist kein Prestige-Showroom.
Sie ist:

  • ein Präzisionslabor für Weißwein
  • eine Region für Säureliebhaber
  • ein Ort für Lagenstudium
  • ein Geheimtipp für Lagerfähigkeit

Wer Struktur sucht, findet sie hier.


Der Weinflüsterer Moment
Wenn ich an die Steiermark denke, denke ich nicht an Kraft.
Ich denke an Spannung.
An Weine, die nicht beeindrucken wollen, sondern klar bleiben.


Ein großer Sauvignon aus der Südsteiermark ist kein Tropensturm.
Er ist ein scharf gezeichneter Horizont.
Er fordert dich nicht. Er fokussiert dich.


Und vielleicht ist genau das die modernste Form von Größe. 🍷


 
 
 
 
E-Mail
Anruf
Karte
Infos
Instagram